Birgit Ruttkowski

Mentorin | Begleitung in Krisen, Konflikten und entscheidenden Momenten

Meine Lebensreise und prägende Momente

Der Weg zu Klarheit

Meine Arbeit ruht auf einem Fundament täglicher Selbsterforschung: Ich setze mich beständig mit mir selbst auseinander, halte inne, spüre nach, wo ich mich in diesem Augenblick befinde, welche Strömungen mich gerade bewegen. Präsenz für andere erwächst aus der Klarheit über das eigene Sein. Lebenslanges Lernen als gelebte Wirklichkeit.

Innere Klarheit will täglich neu errungen werden – ein organischer Prozess, der niemals zum Stillstand kommt. Dies ist zugleich mein Versprechen, Innere Klarheit vorzuleben.

Die Erforschung des kollektiven Bewusstseins

Die eigene Arbeit nimmt Gestalt an

Die Kunst der Transformation

In den persönlichen Sitzungen kristallisierte sich in diesen Jahren zunehmend ein Schwerpunkt heraus: Menschen in helfenden und therapeutischen Berufen zu begleiten, Supervision anzubieten, jene zu stärken, die selbst für andere da sind.

Aus dieser Praxis erwuchs dann das Angebot, Menschen in Krisen zu begleiten und dabei die zentrale Kompetenz im Umgang mit Konflikten zu entwickeln – Konflikte als Entwicklungsräume zu begreifen, konstruktiv mit ihnen umzugehen, sie als Einladung zu begreifen, um herauszufinden wer wir wirklich sind.

Achtsam mit sich selbst umgehen, Innenschau und Selbstreflexion als beständige Form der Selbstfürsorge etablieren.

2002 machte ich mich selbstständig und begann in Deutschland und später im europäischen Ausland Seminare und Retreats zu geben. Wege in die Stille, Erforschung des eigenen Bewusstseins in seiner Komplexität.

Der inneren Stimme Gehör schenken, den Mut zu finden, dem Ruf des Herzens zu folgen. Sich selbst zu vertrauen, ergänzt durch jene gesunde Portion Realitätssinn, die uns erdet.

Die Bewusstwerdung innerer Konflikte: ihr Ursprung im eigenen Bewusstsein ebenso wie in den Prägungen durch Eltern, Familie, den langen Schatten generationsübergreifender Muster. Zu verstehen, warum wir gerade tun, was wir tun und dass sich dahinter ein verborgener Sinn ergibt.

Die Prägungen im kollektiven Bewusstsein zu erforschen, wie diese fortleben, sich in der aktuellen Geschichte wieder spiegeln. Reisen zu Orten, wo kollektive Traumata weiterhin nachklingen: die Wunden der beiden Weltkriege, der Dreißigjährige Krieg und der Kreuzzüge. Reisen in den hohen Norden Europas, den Orkney Inseln in Schottland bis hin zu den Tempeln Ägyptens. Ergänzt durch regelmäßige Lehrtätigkeit in London, Wien, Budapest, Berlin und Hamburg.

Der Pfad meiner persönlichen und fachlichen Entwicklung entfaltet sich kontinuierlich. Im Jahr 2025 durfte ich meine Weiterbildung in Mediation und Konfliktmanagement erfolgreich vollenden – ein bedeutsamer Meilenstein meines Weges, den ich an der Zentralen Einrichtung Weiterbildung (ZEW) der Fachhochschule Potsdam in fruchtbarer Zusammenarbeit mit Konflikthaus e.V. erreichen durfte.
Mein tiefer Dank gilt Prof. Dr. Angela Mickley für ihre wohltuende „Schaun wir mal“-Philosophie: zunächst hinschauen und prüfen, welche Methoden sich als stimmig erweisen.

Gegenwärtig durchlaufe ich hier den Zertifizierungsprozess und suche nach spannenden Fällen, die für eine Mediation geeignet sind.

Lehr- und Wanderjahre

Wer bin ich?

Blicke ich zurück auf diese achtzehn Jahre (1981 – 1999), so betrachte ich sie als eine Zeit, die einer einzigen Frage gewidmet war: Wer bin ich?

Ich selbst verstehe mich heute als Mentorin. Dieser kurze Einblick in meine Reise mag Ihnen einen Einblick geben, wie ich zu dem Menschen geworden bin, der ich heute bin – und welche Kompetenzen ich erlangt habe, um diesen Weg mit anderen zu teilen.

In diesen Jahren räumte ich mein Leben grundlegend auf – dankbar für all das, was ich bereits gelernt hatte: den präzisen, analytischen Blick aus meinem Designstudium bei Prof. Dr. Dr. Fuder, jene Methodik, die Dinge bis auf ihren Kern zu durchdringen. Die rigorose Selbstbeobachtung aus der Zeit in Paris, wo ich gelernt hatte, schonungslos hinzusehen und das eigene Scheitern als Lehrer anzuerkennen. Diese erlernten Fähigkeiten – Präzision, Analyse, die Bereitschaft zur radikalen Ehrlichkeit – wurden nun zu Werkzeugen der Selbsterkenntnis, zu Instrumenten der inneren Klärung.

Ich durchschritt tiefe innere Heilungsprozesse, schmeckte die Bitterkeit alter Wunden ebenso wie die Leichtigkeit, wenn Fesseln abfielen und ich mir selbst wieder ein Stück näher kam. Es fühlte sich an wie ein Ringen um meine Seele – und zugleich wie eine Blaupause für meine spätere und heutige Tätigkeit.

Diese Jahren wurden zum Fundament meiner eigenen Arbeit: Einen Weg der Klarheit zu finden, auf dem wir das Leben mit seinen Herausforderungen frei von Angst annehmen können.

Die eigenen Grenzen gut zu kennen – und Grenzen zu setzen. Mit Niederlagen umzugehen und zu begreifen, dass das Leben trotz bester Vorbereitung Überraschungen bereithält. Jede Krise, jeder Konflikt als Einladung zu verstehen, zu wachsen und sich beständig weiterzuentwickeln.

Der Weg der Erkenntnis

Der Wendepunkt - Anfang 1990

Der Beginn der Neunziger markierte das Ende meiner künstlerischen Karriere. Die drängende Frage nach dem „Wer bin ich?“ führte zur Erkenntnis, dass weder die Bühne noch das Unterrichten darauf bislang echte Antworten zu geben vermochten.

Eine Verletzung wurde zum entscheidenden Wendepunkt. Zum ersten Mal stand ich vor einem existenziellen Kassensturz – das drängende Gewahrsein, dass dieser Weg an sein Ende gekommen war, dass die Zeit gekommen war, mir darüber im Klaren zu werden, wer ich jenseits der Rollen und jenseits aller äußeren Identifikationen und den Prägungen meiner Kindheit und der Geschichte meiner Eltern bin.

Die Bücher von C.G. Jung führten mich in die Tiefen der Psyche und die Schichten des kollektiven Unbewussten. Das Werk von Marie-Louise von Franz erschloss mir die Welt der Archetypen und Märchen, jene zeitlosen Geschichten, in denen sich menschliche Wahrheit verdichtet. Lynn Andrews eröffnete den Zugang zum Wissen der indigenen Völker Nordamerikas.

Elisabeth Haichs „Einweihung“ offenbarte die Mysterien alter Bewusstseinsschulen, jene zeitlosen Initiationswege, die durch alle Kulturen und Epochen hindurch die Essenz menschlicher Transformation bewahrt haben. Und María Szepes‚ „Der Rote Löwe“ – geschrieben während des Zweiten Weltkriegs in einem Versteck, vom kommunistischen Regime verboten, im Untergrund abgetippt und weitergegeben – wurde zum alchemistischen Schlüssel: die Verwandlung von Gier in Weisheit, von Ego in Essenz, vom rücksichtslosen Streben nach Unsterblichkeit zur Erkenntnis dessen, was wirklich ewig ist.

Meine erste existenzielle Krise wurde zu einem Moment der Transformation und zum Beginn einer neuen Reise.

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Quantensprung Seminare

Bewusstseinsforschung und Transformation

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Jean Houston - Manual for the Peacemaker

Mein Weg der Selbsterforschung führte mich zu Dr. Diane Seadancer Battung, einer Studentin von Jean Houston.

Eine Reise in die Mysterienschulen der Welt, in die Tiefen von Märchen, Mythen und Sagen, in die Schöpfungsgeschichten und Prophezeiungen der indigenen Völker.

Lebhaft erinnere ich mich nach so langer Zeit an das Seminar zur Mahabharata, jenes gewaltige indische Epos von Dharma und Karma, von der Schlacht im eigenen Herzen.

An die Geschichte des Friedensstifters Hiawatha, der die fünf kriegführenden Nationen der Irokesen zur Großen Friedensliga vereinte.

An die Artuslegende und den Gral, jenes Mysterium der Suche nach dem Göttlichen in uns selbst. Die ägytischen Mysterien Isis und Osiris, die griechischen Sagen von Persephone, Narziss und Echo.

Sechs Jahre besuchte ich ihre Seminare (~1.000 Stunden), später übersetzte und assistierte ich und schrieb die Protokolle. Retreats zu dem Medizinrad-Wissen der indigenen Völker Nordamerikas, zeremonieller Praxis und zu den Übergangsriten verschiedener Lebensphasen ergänzten diese Zeit (~500 Stunden).

Dr. Jean Houston (* 1937) gehört zu den bedeutendsten Pionierinnen der Bewusstseinsforschung des 20. Jahrhunderts.

Als Mitbegründerin der Human Potential Movement öffnete sie Wege, die zuvor unvorstellbar schienen. 1965 gründete sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Robert Masters die Foundation for Mind Research in New York und legten damit Grundlagen für das Verständnis menschlichen Bewusstseins.

Ihre Erkenntnis: Unter der Oberfläche des Alltagsbewusstseins trägt jeder Mensch ein gewaltiges mythisches und symbolisches Universum in sich. „We are worlds within worlds within worlds.“
1983 gründete Houston die Mystery School, später Renaissance of Spirit – ein interkulturelles Programm aus Geschichte, Philosophie, Psychologie, Mythologie und spirituellen Studien. Ihr Ansatz verband westliche Wissenschaft mit östlichen Philosophien, Dualitäten verschmolzen zu einem Ganzen.

Protégé von Margaret Mead, Kollegin von Joseph Campbell, Beraterin für UNICEF und das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen – Houston arbeitete in über 100 Ländern, bildete Führungskräfte in kultureller Entwicklung aus. Buckminster Fuller nannte ihren Geist „einen nationalen Schatz“.

Wichtige Wegstationen auf meiner beruflichen und persönlichen Entwicklung.

Einblick in meine Lehrer, Inspirationen und die Philosophie, die mein Leben in den 80zigern geprägt haben.

Nach meiner Rückkehr aus Paris begegnete ich Bob Rease. Der amerikanische Tänzer und Gründer des Contact-Kollektivs Mangrove in San Francisco war zu dieser Zeit der zentrale Lehrer für Contact Improvisation in Europa und unterrichtete regelmäßig in der Tanzfabrik Berlin.

Contact Improvisation, 1972 von Steve Paxton (1939-2024) initiiert, erschloss eine völlig neue Dimension des Bewegens. Ein sich entwickelndes System, das auf der Kommunikation zwischen zwei Körpern in physischem Kontakt basiert und ihrer gemeinsamen Beziehung zu den physikalischen Gesetzen – Schwerkraft, Momentum, Trägheit. Der Körper lernt, überschüssige muskuläre Spannung loszulassen, eine gewisse Willenskraft aufzugeben, um den natürlichen Fluss der Bewegung zu erfahren. Rollen, Fallen, kopfüber sein, einem physischen Kontaktpunkt folgen, Gewicht stützen und abgeben.

Contact Improvisationen sind spontane physische Dialoge, die von Stille bis zu hochenergetischen Austauschen reichen. Wachheit entwickelt sich, um in einem Zustand physischer Desorientierung zu arbeiten, den grundlegenden Überlebensinstinkten vertrauend. Ein freies Spiel mit Balance, das eine physische und emotionale Wahrheit über einen geteilten Moment hervorbringt. Eine offene Erforschung der kinästhetischen Möglichkeiten von Körpern, die sich durch Kontakt bewegen – manchmal wild und athletisch, manchmal still und meditativ.

Über mehrere Jahre wurde ich seine Schülerin und begann nach kurzer Zeit selbst zu unterrichten, wurde Mitglied der CI Teachers Workgroup in Amsterdam, pendelte zwischen Düsseldorf, Amsterdam und Berlin. Ich wurde Teil einer internationalen Community und begann Festivals zu organisieren.

BuchtitelBMC
Bonnie Bainbridge Cohen

Body Mind Centering

Viele Contact-Lehrende ließen Body-Mind Centering® in ihre Arbeit einfließen. Bonnie Bainbridge Cohen (*1941) hatte 1973 einen radikal neuen Ansatz entwickelt, der Wissenschaft und Erfahrung zu einer schöpferischen Einheit verschmolz. Der revolutionäre Kern: Forschende und Erforschtes werden eins. „We are the material, our bodies and minds the medium of our exploration. We are each the study, the student, the teacher.“

Jedes Gewebe trägt eigene Intelligenz, einen eigenen „mind“ – Knochen, Organe, Nerven, Flüssigkeiten, Faszien. Durch Bewegung, Berührung und Stimme werden sie einzeln verkörpert und artikuliert, um sich dann zum Ganzen zu integrieren. Jede Zelle besitzt lebendige Intelligenz, kann sich erkennen, initiieren, kommunizieren. So entsteht ein Weg zu lernen, der aus dem tief verwurzelten Wissen der Zellen hervorgeht. Ein Verstehen darüber, wie Geist sich durch Körper ausdrückt und Körper durch Geist – beide als wechselseitige Ausdrucksformen desselben Prozesses.

Während des Design Studiums arbeitete ich in einem Kulturzentrum und betreute die Künstler hinter der Bühne und in den Workshops. Ein neues Universum öffnete sich für mich. Die Werkstatt Düsseldorf e.V. war jener seltene Ort, an dem sich internationale Tanz- und Theatergruppen begegneten, ein Schmelztiegel der internationalen darstellenden Künste.

Fast drei Jahre lang bestand mein Leben aus dem Designstudium bei Tag. An den Wochenenden aus Theater- und Tanzveranstaltungen und fast jeden Abenden aus Kursen – vom Improvisation, Akrobatik bis zu Tai Chi. 

Über einen Zeitraum von drei Jahren gut 1.800 Stunden Unterricht bei den außergewöhnlichsten und innovativsten Künstlern dieser Zeit.

 

Gruppen, die das Theater neu erfanden. Cuatro Tablas aus Peru, Teatro Nucleo aus Italien – sie stellten die physische Präsenz in den Vordergrund. Ein Theater des Körpers, der Bewegung, der unmittelbaren Präsenz. Kein psychologisches Charakterspiel, keine Textinterpretation – körperliche Wahrheit in ihrer direktesten Form.

Cuatro Tablas verschmolz andine Mythen mit Sophokles, Shakespeare, Brecht. Teatro Nucleo, aus Argentinien vor der Diktatur geflohen, eroberte mit „Quijote!“ die Straßen von dreihundert Städten in achtzehn Ländern. Beide Gruppen schöpften aus Eugenio Barbas anthropologischem Theater und Jerzy Grotowskis „armem Theater“ – Theater als Werkzeug der Transformation, als Weg zur Selbsterkenntnis.

École Internationale de Théâtre Jacques Lecoq

École Jacques Lecoq - Paris

Le Théâtre du Geste und Laboratoire d'Étude du Mouvement

Die zweite Weggabelung

Dieser Weg führte mich weiter nach Paris an die École Internationale de Théâtre Jacques Lecoq, einer Einladung folgend, die Aufführung eines befreundeten Absolventen anzusehen. Als ich auf dem großen Sofa im Eingangsbereich saß, hatte ich zum erstem mal in meinem Leben das Gefühl zu Hause zu sein.

Noch nie war meine innere Stimme so deutlich zu hören gewesen. Und so zog ich ernsthaft diese Theaterausbildung in Erwägung, abwägend mein Designstudium zu pausieren. Meine Bewerbung hatte Erfolg und so zog ich meinem Herzen folgend 1984 nach Paris.

Die Ecole Jaques Lecoq ist ein internationale Theaterschule von legendärem Ruf, die pro Land nur wenige Studierende aufnahm. In meinem Jahrgang waren sechsunddreißig Nationen vertreten- Menschen unterschiedlichstem Weltsichten, Denkweisen und natürlich Wege im Umgang mit Konflikten.

Hier begann sich der rote Faden auszubilden, dessen Kreis sich nun, vier Jahrzehnte später, schließt.

„Mehr als ein Professor war er ein Meister und, selten genug, ein immenser Pädagoge – das heißt, jemand, der einen Weg öffnet, nachdem er selbst darauf verzichtet hat, ihn zu gehen.“ – Ariane Mnouchkine – Théâtre du Soleil

In der Pädagogik Jaques Lecoq  (* 15. Dezember 1921; † 19. Januar 1999) steht das Prinzip des produktiven Scheitern als gewollter Weg zur Meisterschaft, das „Recht zu scheitern“ im Mittelpunkt. In der wöchentlichen Feuerprobe präsentieren die Studierenden ihre Gruppenarbeit, empfangen schonungsloses Feedback und präzise Analyse durch alle Lehrer der Schule, eine Härte, die zur Wahrhaftigkeit führt.
Im LEM, Laboratoire d’Étude du Mouvement, 1977 gegründet mit Architekt Krikor Belekian – dienen der dynamischen Erforschung von Raum und Rhythmus im Dienst der Szenografie, wo Architektur, Bewegung und Theater zu einer einzigen Sprache verschmolzen, der Körper zum Baumeister des Raums wurde.

Prof. Dr. Dr. Fuder - Der Funke der Semantik

Studium Visuelle Kommunikation Fachschule Düsseldorf

Schwerpunkt Typographie und Designtheorie

Die erste Weggabelung

Nach dem Abitur stellte sich die erste existenzielle Weggabelung: Ein Studium der Chemie als der sichere Weg (Leistungskurs Mathematik und Chemie), oder die der Kreativität. Hier mein Dank an meine Kunstlehrerin Inga Stanley. In ihrem Unterricht öffnete sie den Blick für das Werk von Jackson Pollock und Joseph Beuys. Für eine Welt der Imagination und Vorstellungskraft, jenseits des reinen Verstandes. In dieser Berührung erwachte meine unermessliche Sehnsucht, die Welt in ihrer Tiefe zu ergründen und der Beginn einer Wanderschaft.

1981 begann ich nach erfolgreicher Aufnahmeprüfung das Studium der Visuellen Kommunikation an der Fachhochschule Düsseldorf, damals Hochburg des Designs und Düsseldorf als Sitz internationaler Designagenturen. Zu einer Zeit, da die Entwicklung des ersten Macintosh noch in weiter Ferne lag. Ich wähle Typographie als Schwerpunkt: die Kunst und Technik der Schriftgestaltung, das präzise Setzen von Buchstaben, Zeilen und Flächen zu harmonischen Kompositionen.

Entscheidend jedoch prägten mich die Kurse von Professor Dr. Dr. Dieter Fuder (* 13. Juni 1947; † 19. Juni 2011), deutscher Germanist und Philosoph, Hochschullehrer für Designtheorie und Medienwissenschaft. Seine Lehre vermittelte Designtheorie als Erkenntnismethodik – die Kunst der präzisen Analyse, Analogiedenken und poetische Logik. Sein Ziel war es, „den angehenden Gestaltern das geistige und sprachliche Rüstzeug fürs Leben“ mitzugeben. Seine „scharfsinnige und eigenwillige Fabulierkunst“, sein „bildhaftes Denken und sprachliches Spiel“ waren Methode: Sprache als Werkzeug der Analyse, Aphorismen als Erkenntnisfunken.